Warum du im Café besser denkst

Ein bisschen Lärm macht kreativer – das hat eine Studie gemessen. Was hinter dem Café-Effekt steckt und wie du den richtigen Geräuschpegel findest.

Von Florian Balhorn, Gründer von InstaDesk, Hamburg ·

Du kennst das: Zu Hause ist es still, der Schreibtisch aufgeräumt, der Kaffee frisch – und trotzdem kommt nichts. Zwei Stunden später sitzt du im Café, am Nebentisch klappern Tassen, jemand lacht, die Siebträgermaschine zischt. Und plötzlich schreibt sich der Text fast von selbst.

Das ist keine Einbildung. Genau diesen Effekt haben Forscher gemessen.

Fünf Experimente, drei Lautstärken

Die Marketing-Forscher Ravi Mehta, Rui (Juliet) Zhu und Amar Cheema wollten wissen, ob Hintergrundgeräusche beim Denken stören oder helfen. Sie ließen Versuchspersonen in fünf Experimenten kreative Aufgaben lösen und spielten ihnen dabei Umgebungslärm in drei Stufen vor: leise (50 dB), mittel (70 dB) und laut (85 dB). Die Ergebnisse erschienen 2012 im Journal of Consumer Research.

Das Ergebnis ist eine umgekehrte U-Kurve:

  • Bei mittlerem Lärm lösten die Teilnehmenden kreative Aufgaben besser als bei leisem Hintergrund.
  • Bei hohem Lärm kippte der Effekt: Kreativität ging zurück.

Die Pressemitteilung zur Studie zieht selbst den Vergleich: Die mittlere Stufe klingt wie ein belebtes Café. Ein relativ lauter Ort, heißt es dort, könne das Gehirn dazu bringen, abstrakter zu denken.

Warum ein bisschen Lärm hilft

Der Mechanismus ist fast paradox. Mittlerer Lärm macht das Denken einen Tick schwerer. Das Gehirn kann sich nicht mehr an jedem Detail festhalten und weicht auf eine höhere Ebene aus: Es denkt in größeren Zusammenhängen, abstrakter. Und abstraktes Denken ist genau das, was kreative Ideen braucht.

Wird es zu laut, ist Schluss. Dann verarbeitet das Gehirn schlicht weniger Information – und die Kreativität leidet.

Wichtig ist, was die Studie nicht sagt: Gemessen wurde Kreativität. Ob dir Lärm bei der Steuererklärung oder beim Korrekturlesen hilft, beantwortet sie nicht. Für Detailarbeit darfst du dir also ruhig einen stilleren Platz suchen.

Der dritte Ort

Dass sich Arbeiten im Café gut anfühlt, hat noch einen zweiten Grund. Der Soziologe Ray Oldenburg hat 1989 in seinem Buch The Great Good Place den Begriff des „dritten Ortes“ geprägt: Neben dem Zuhause (dem ersten Ort) und dem Arbeitsplatz (dem zweiten) brauchen Menschen Orte dazwischen – offen, unverbindlich, belebt. Cafés sind das Paradebeispiel.

Am dritten Ort bist du nicht allein, aber auch niemandem verpflichtet. Du bist unter Menschen, ohne mit ihnen reden zu müssen. Für viele ist genau das die Mischung, in der Arbeit leichter wird: Gesellschaft ohne Ablenkung.

Den richtigen Pegel finden

Die gute Nachricht: Du musst nicht raten, wie es an einem Ort klingt. Bei InstaDesk steht an jedem Platz, wie laut es dort ist – leise, normal oder lebhaft. So kannst du dir aussuchen, was deine Aufgabe gerade braucht:

  • Leise für Konzentrationsarbeit, bei der jedes Detail zählt.
  • Normal für den Café-Effekt: genug Leben im Raum, um in Schwung zu kommen.
  • Lebhaft, wenn du Energie brauchst und nicht jedes Wort verstehen musst.

Und weil der Platz vorab reserviert ist, sitzt du nicht mit dem Laptop auf dem Schoß und hoffst, dass bald ein Tisch frei wird. Gebucht wird in Schritten von 30 Minuten, ab 0,90 € – stornieren kannst du kostenlos bis 2 Stunden vorher.

Kurz gesagt

Stille ist nicht immer die beste Arbeitsumgebung. Ein gewisser Grundlärm – wie in einem belebten Café – kann dem kreativen Denken helfen. Zu viel davon schadet. Der Trick ist also nicht, jeden Laut auszuschalten, sondern den Ort zu finden, der zu deiner Aufgabe passt.

Quellen

  1. Mehta, Zhu & Cheema (2012): Is Noise Always Bad? Exploring the Effects of Ambient Noise on Creative Cognition. Journal of Consumer Research 39 (4), 784–799
  2. University of Chicago Press Journals: Pressemitteilung zur Studie (ScienceDaily, 20. Juni 2012)
  3. Ray Oldenburg (1989): The Great Good Place. Paragon House, New York

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