Zahlen, was du nutzt

Flatrates fühlen sich gut an, rechnen sich aber oft nicht – das zeigt eine bekannte Fitnessstudio-Studie. Warum Micropayment beim Arbeitsplatz fairer ist.

Von Florian Balhorn, Gründer von InstaDesk, Hamburg ·

Erinnerst du dich an deine letzte Fitnessstudio-Mitgliedschaft? An den Januar, in dem du fest vorhattest, dreimal pro Woche zu gehen? Und an den März, in dem der Beitrag weiter abgebucht wurde, du aber längst wieder auf dem Sofa saßt?

Du bist damit nicht allein. Genau dieses Muster haben ein Ökonom und eine Ökonomin vermessen – und das Ergebnis erzählt viel darüber, warum Flatrates sich besser anfühlen, als sie rechnen.

Die Flatrate, die mehr kostet als die Einzelkarte

Stefano DellaVigna und Ulrike Malmendier haben die Daten von 7.752 Mitgliedern dreier amerikanischer Fitnessstudios über drei Jahre ausgewertet. Veröffentlicht wurde die Studie 2006 in der American Economic Review, unter dem schönen Titel „Paying Not to Go to the Gym“.

Das Ergebnis: Wer einen Monatsvertrag für über 70 Dollar abgeschlossen hatte, ging im Schnitt 4,3-mal im Monat trainieren. Pro Besuch kostete das über 17 Dollar – obwohl es eine Zehnerkarte gab, mit der jeder Besuch 10 Dollar gekostet hätte. Über die Dauer ihrer Mitgliedschaft ließen die Mitglieder so im Schnitt rund 600 Dollar liegen.

Warum? Die Forschenden erklären es mit Überoptimismus. Beim Abschluss glauben wir, dass unser zukünftiges Ich öfter kommt, disziplinierter ist, mehr nutzt. Die Flatrate kauft ein Versprechen an uns selbst. Bezahlt wird aber die Wirklichkeit.

Und beim Arbeiten?

Beim Arbeitsplatz ist es nicht anders. Wer flexibel arbeitet, kennt die Rechnung: Coworking-Mitgliedschaft oder Tagespass? In Hamburg gibt es laut dem Vergleichsportal onecoworking rund 70 Coworking-Spaces, 32 davon mit sofort buchbarem Tagespass. Die Preise beginnen dort bei 16 Euro am Tag, üblich sind 25 bis 38 Euro (Stand Mai 2026).

Für einen ganzen Arbeitstag mit Meetingraum und Drucker ist das fair. Ein Coworking-Space bietet mehr als einen Tisch – und wer das jeden Tag braucht, ist dort richtig aufgehoben.

Aber so sieht der Alltag vieler Menschen nicht aus. Da ist die Lücke zwischen zwei Terminen in der Stadt. Der Vormittag, an dem zu Hause die Handwerker bohren. Die zwei Stunden, in denen du nur noch schnell die Präsentation fertig machen willst. Für diese Stunden einen ganzen Tag zu bezahlen, ist die Fitnessstudio-Falle im Kleinen: Du zahlst für mehr, als du nutzt.

Zahlen, was du nutzt

Micropayment dreht die Logik um. Du zahlst nicht für den Tag, den du vielleicht nutzt, sondern für die Zeit, die du wirklich da bist. Bei InstaDesk buchst du in Schritten von 30 Minuten, ab 0,90 €. Zwei Stunden am Platz gibt es damit ab 3,60 €. Ohne Abo, ohne Kündigungsfrist, ohne schlechtes Gewissen, wenn du mal zwei Wochen nicht kommst.

Das ist nicht nur für dich fairer. Auch der Gastgeber bekommt Geld für echte Nutzung – nicht für ein Versprechen, das beide Seiten insgeheim nicht glauben. Und weil der Preis pro Platz und Uhrzeit gilt, zahlst du für den ruhigen Vormittag oft weniger als für die volle Mittagszeit.

Der Moment der Entscheidung

Das Schöne am Bezahlen pro Nutzung ist die Ehrlichkeit. Jede Buchung ist eine kleine, bewusste Entscheidung: Hier will ich jetzt sein. Keine Flatrate, die dich mit ihren Kosten ermahnt. Kein Tagespass, den du „ausnutzen“ musst.

Und wenn es doch anders kommt: Stornieren kannst du kostenlos bis 2 Stunden vor Beginn.

Kurz gesagt

Flatrates verkaufen uns das Gefühl, später mehr zu tun. Micropayment verkauft nur, was wir wirklich brauchen. Für den Arbeitsplatz zwischendurch heißt das: kein Tagespass für zwei Stunden, sondern zwei Stunden für zwei Stunden.

Quellen

  1. DellaVigna & Malmendier (2006): Paying Not to Go to the Gym. American Economic Review 96 (3), 694–719
  2. onecoworking: Coworking Day Pass in Hamburg (Stand 6. Mai 2026)

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