Der Arbeitsplatz schrumpft auf Tischgröße

Ein Tisch für zwei Stunden, genau dort, wo du bist: Was Micro-Workspaces ausmacht, was die Bahn daraus gelernt hat und warum es die Plätze schon gibt.

Von Florian Balhorn, Gründer von InstaDesk, Hamburg ·

Früher war der Arbeitsplatz ein Ort, an den man fuhr. Ein Gebäude, ein Stockwerk, ein Schreibtisch mit Namensschild. Heute ist er für viele Menschen etwas anderes: ein Tisch für zwei Stunden, genau dort, wo man gerade ist. Der Arbeitsplatz ist geschrumpft – auf die Größe eines Tisches.

Dafür gibt es inzwischen einen Namen: Micro-Workspace.

Was ein Micro-Workspace ist

Ein Micro-Workspace ist kein Büro und kein Coworking-Space mit Mitgliedschaft. Er ist die kleinste denkbare Einheit von Arbeitsplatz: ein einzelner Platz, kurzfristig buchbar, für genau die Zeit, die du brauchst. Ein Tisch am Fenster, eine abgetrennte Kabine, ein Sessel in einer ruhigen Lobby.

Was Menschen daran mögen, ist schnell erklärt:

  • Nähe: Du arbeitest in der Nähe deines nächsten Termins – statt quer durch die Stadt zu fahren.
  • Spontaneität: Du entscheidest morgens, wo du heute arbeiten willst. Oder erst mittags.
  • Abwechslung: Ein neuer Ort bringt oft neue Gedanken. Ein bisschen Leben um dich herum kann beim kreativen Denken sogar nachweislich helfen.
  • Gesellschaft ohne Verpflichtung: Du bist unter Menschen, ohne ein Teil ihres Teams sein zu müssen.

Die Lektion der Bahn

Die Idee ist so einleuchtend, dass auch die Deutsche Bahn sie ausprobiert hat. Unter dem Namen everyworks bot sie kostenpflichtige mobile Arbeitsplätze und Meetingräume an und rund um Bahnhöfe an – unter anderem in Berlin, Hannover, Mannheim, Frankfurt, München und Hamburg.

Zum 31. Dezember 2024 hat die Bahn das Angebot eingestellt. In ihrer Pressemitteilung nennt sie den Grund offen: Die Nachfrage blieb hinter den Erwartungen zurück, vor allem wegen veränderter Arbeitsmodelle seit der Corona-Pandemie. Die Bahn will sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

Heißt das, dass die Idee gescheitert ist? Nicht unbedingt. Es heißt vor allem: Eigene Flächen für flexible Arbeit zu bauen und zu betreiben, ist ein teures Wagnis – besonders, wenn niemand genau weiß, wann und wo gearbeitet wird.

Die Plätze gibt es schon

Und hier liegt der eigentliche Gedanke: Man muss für Micro-Workspaces gar nichts Neues bauen. Die Stadt hat genug Plätze. Sie sind nur falsch verteilt.

Das Café, das vormittags halb leer ist. Die Hotel-Lobby zwischen Check-out und Check-in. Das Büro mit drei freien Schreibtischen, weil das Team heute im Homeoffice ist. Der Coworking-Space mit freien Plätzen am Freitag. All das sind Micro-Workspaces, die es längst gibt – sie sind nur nicht buchbar.

Genau das ändert InstaDesk: Gastgeber geben einzelne Plätze frei, zu den Zeiten, die zu ihrem Alltag passen. Du findest sie auf der Karte und buchst sie in Schritten von 30 Minuten, ab 0,90 €.

Welcher Platz für welche Arbeit

Micro heißt nicht einheitlich. Jeder Platz bei InstaDesk trägt eine Art, damit du weißt, worauf du dich einlässt:

  • Solo-Platz – ein Einzelplatz für konzentriertes Arbeiten.
  • Focus-Kabine – räumlich abgetrennt, so ruhig, wie es vor Ort geht.
  • Duo-Platz oder Gruppen-Tisch – zu zweit oder für Team-Sessions ab drei Personen.
  • Lounge-Platz – Sofa oder Sessel, entspannte Arbeitshaltung.
  • Außenplatz – draußen, je nach Wetter.

Dazu kommen Angaben, die für die Arbeit zählen: Steckdose am Platz, Sichtschutz, ob Telefonate erlaubt sind und wie laut es dort ist.

Kurz gesagt

Der Arbeitsplatz der Zukunft ist vielleicht kein neues Gebäude, sondern ein Tisch, der schon da ist. Micro-Workspaces funktionieren dann am besten, wenn sie nicht extra gebaut, sondern klug geteilt werden.

Quellen

  1. Deutsche Bahn: Konzentration aufs Kerngeschäft – DB schließt Coworking-Standorte an Bahnhöfen (Pressemitteilung, 23. Oktober 2024)

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